Doodle Thrower – Blaumann und Mundharmonika

John

John „Doodle“ Thrower war gelernter Automechaniker. Vor seinem Geschäft in Tallapoosa (Georgia) hing ein Riesenschild mit der Aufschrift „We operate for cash only – No credit to anyone“. Aber für die meisten war er der Bursche im blauen Overall und mit lustigem Lederhut, der die Mundharmonika spielte. Auf der Bühne war er Komiker und Musiker. Mit seiner Band „The Golden River Grass“ trat er landeseweit auf, vom National Folk Festival bis zur Weltausstellung 1982 in Knoxville, Tennessee. Heute trägt das Doodle-Thrower Amphitheater in Tallapoosa, GA, seinen Namen.
Man sollte sich von seinem sicherlich sehr bewusst gewählten Äußeren nicht täuschen lassen. The Golden River Grass waren in ihrer Zeit „one of North Georgia’s most popular traditional performing group“ und das Mundharmonikaspiel von Doodle passt perfekt zu der energievollen Art zu spielen und das Publikum zu unterhalten. Und damit passt Doodle auch gut in die Reihe zum „Schwerpunktthema Folk Harmonica“.

Frank Randall, der „Appalachian Ambassador of the Fiddle“, der in jungen Jahren mit Doodle auf der Bühne stand und später eine zeitlang mit Bill Monroe tourte, sagt über ihn: „Ich beobachtete, wie er Menschenmengen jeder Größe oder sozialer Herkunft zum Lachen, Weinen oder in Jubelstimmung bringen konnte.“

Doodle Thrower, dessen Vorfahren aus Cornwall stammen, starb 1993. Noch zu Lebzeiten wurde er geehrt durch die Aufnahme in „The Georgia Music Hall of Fame“. Genauso wie der Banjospieler der Golden River Grass,  James Watson. Er spielte im Clawhammerstil und das war für eine Bluegrassgruppe in den 70er bis Anfang 90er Jahren, in denen sie spielte, eher ungewöhnlich. Und so sind sie auch eher exemplarisch für den Stil der Fiddlebands in den 20er und 30er Jahren.

Auf Youtube lassen sich noch mehr Aufnahmen mit Doodle Thrower finden. Interessant sind auch die Audio-Aufnahmen, die sich auf einer Seite über James Watson finden. Online gibt es bei folkstreams.net den sehr sehenswerten Film FolkStreams » Appalachian Journey von Alan Lomax zu schauen. Gegen Ende des Films (00:51:36) taucht dort auch Doodle Thrower auf. Er spielt mit seiner Band Golden River Grass Foggy Mountain Top / Weary Bones und man sieht ihn bei der Fuchsjagd mit dem „tallyho hunting stick“.

I tell you what, I believe with all my heart that a person who loves music is a better person than one that don’t. Music, it gets into my blood it goes in through me just all.. and I get the biggest thrill out of a smile on the face when I’m trying to entertain anybody or singing to ‘em money can’t buy it. They say when you leave this world you don’t take nothing with you, but they’re so wrong. That’s the worst mistake. I told ‘em, “when you dig my little hole out there add three foot to it.” I said, them memories, it’ll take that much to hold my memories and I said, “I’m taking my memories with me.” — Doodle Thrower

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Buddy Greene: Praise Harmonica

Buddy Greene

Buddy Greene ist Songschreiber, Sänger und Gitarrist aus Georgia,USA. In diesem Beitrag zum Schwerpunktthema “Folk Harmonica“ steht aber sein exzellentes Mundharmonikaspiel im Vordergrund.
Als frühesten Einfluss nennt er Jimmy Fadden von der Nitty Gritty Dirt Band, insbesondere das Album Will the Circle Be Unbroken. (Wer Gelegenheit hat, der sollte sich etwa mal die Harp bei Nine Pound Hammer anhören!). Aber auch das rhythmische Spiel eines Sonny Terry prägen ihn, bevor sich dann mit Charlie McCoy eine neue Welt für Buddy Greene auftut. Von ihm übernimmt er auch für viele Stücke die „Country tuning“ genannte Mundharmonikastimmung, bei der die Ziehzunge im 5. Loch einen Halbton höher gestimmt wird, was beim Spiel in der 2. Position dem Melodiespiel etwa bei Countrysongs sehr hilft.
Neben Folk, Blues und Country ist es die Gospelmusik des Südens und der Bluegrass, die ihn musikalisch prägen. Viele seiner eigenen Stücke zeugen von seinem christlichen Glauben, der in den 80er Jahren für ihn bedeutend wird.

Harmonica Anthology  ist 2011 erschienen und umfasst Stücke aus den Bereichen Bluegrass, Old-time, Celtic, Blues und Americana.
Hier zu hören ist The Pear Tree / Waiting For The Federals und man kann dabei das Enstehen des sehr schönen CD Covers verfolgen:

Das Album RUFUS (so lautet Buddys zweiter Vorname) ist 2002 erschienen und durch diese CD habe ich Buddy Greene kennengelernt. Unterstützt durch Jerry Douglas, Sam Bush, Ron Block und andere Gastmusiker ist ein wirklich tolles Album enstanden.
Eines der Stücke auf CD ist The Little Beggar Man („Red Haired Boy“). Hier ist es zu hören bei einem eher etwas skurilen Auftritt:

Sehr schön hier der Fiddle Tune Blackberry Blossom mit  Buddy Greene, Pat Flynn, and David Blackmon:

Und hier zeigt Buddy Greene, dass er sich hinter seinem großen Vorbild Charlie McCoy nicht zu versteckem braucht:

Vor einiger Zeit sorgte eine Aufnahme mit Buddy Greene in der Carnegie Hall im Netz für Aufsehen. Das Classical Medley umfasst Stücke von Bach, Mozart und Rossini – alles gespielt auf der diatonischen Mundharmonika!
Inzwischen ist das Video auf Youtube aus rechtlichen Gründen in Deutschland leider nicht mehr verfügbar.
Das nachfolgende Video ist für alle gedacht, die noch nicht genug von Buddy Greene haben. Als Belohnung zeigt es ab 32:18 den berühmten Carnegie Hall Auftritt mit dem Classical Medley:

Und wer soweit gelesen hat, ist wahrscheinlich auch an Mundharmonikadetails des Classical Medleys interessiert:

The first song of the Classical Medley is Jesu, Joy of Man’s Desiring by Bach, played in 1st position (key of C). The second song is based on Mozart’s Sonata in C, Movement 1 (although here it is played in the key of G, with lots of bending). The third song adapted from Rossini’s William Tell Overture, back in 1st position (key of C) with some high blow bends at the end. I played a C diatonic harmonica, probably a Meisterklasse or Golden Melody, both by Hohner.

Brendan Power – New Irish Harmonica

Hier nun ein neuer Beitrag zum Schwerpunktthema „Folk Harmonica„.
Vor ca. 8 Jahren stolperte ich über die CD New Irish Harmonica eines mir bis dahin unbekannten Mundharmonikaspielers Brendan Power. Ich denke, es war ein Stück in der Sendung Roots Harmonica auf live365.com. Leider hat Jim Greenwald diese phantastische Internet-Station, die neben Blues auch Country, Old-time, Folk und Celtic Stile im Programm hatte, seit langem eingestellt.
Jedenfalls habe ich mir die CD von Brendan dann besorgt und war total überwältigt, dass die Mundharmonika so gut für irische Musik verwendet werden kann. Brendan spielt sowohl die chromatische als auch die diatonische Harmonika. Aber das Interessante für mich waren gerade die Stücke, in denen er die „einfache“ Harp einsetzt und in sein Spiel meisterhaft Verzierungen einbaut, die irische Musik ja so hörenswert machen.

PLAY IRISH MUSIC ON THE BLUES HARP - Brendan Power Brendan erhielt nach dem Erfolg von New Irish Harmonica viele Anfragen nach seiner Spielweise und so veröffentlichte er schließlich ein Lehrbüchlein Play Irish Music on the Blues Harp von 52 Seiten inkl. beiliegender CD mit 55 Tracks.  Und das ist m.E. bis heute immer noch das Beste, was es in dieser Richtung gibt. Er erklärt dort z.B. Harpspieltechniken wie Jaw Flick Triplets, Breath Triplets, Fill Triplets, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Ich habe das Büchlein 2005 dann direkt bei ihm bezogen und das ist wohl auch heute noch die einzige Möglichkeit. Brendan erklärt dort auch die Paddy Richter Stimmung, die er oft einsetzt. Dabei ist die Blaszunge in Loch 3 einen Ganzton hochgestimmt. Auf der C-Harp z.B. ist dann der Ton A ohne Bending-Technik spielbar, was etwa bei schnellen oder moll-artigen Stücken von großem Vorteil ist.

Hier spielt Brendan den Reel The Bucks of Oranmore und gibt einige Erklärungen dazu.

Brendan, der Neuseeländer ist und seit 1992 in England lebt, hat 19 Alben veröffentlicht, war 1993 All-Ireland Meister mit der chromatischen Harp, hat 1998-1999 mit der Mundharmonika(!) bei der Riverdance Show mitgewirkt, hat viele bekannte Musiker begleitet (Van Morrison, Sting, Kate Bush,etc), hat Soundtracks für diverse Filme und TV-Serien geliefert, u.v.m.
Im Februar 2012 hat er mit Tim Edey in der Sparte „Best Duo“ bei den BBC2 British Folk Awards gewonnen.

Brendan ist in vielen musikalischen Genres aktiv und experimentiert gerne mit verschiedenen Stimmungen. Näheres (etwa zu Powerbender und Ultrabend) findet sich im Web.

Zum Abschluss hier ein Video, in dem er die Erstellung eines Loops zeigt: Harmonica Beatbox & Loop

2 ältere Interviews mit Brendan Power finden sich auf Planet Harmonica und auf Rambles

Folk Harmonica

Die Mundharmonika ist ein überaus faszinierendes Instrument. Klein genug für die Hosentasche, produziert sie in den richtigen Händen (und mit dem richtigen Atem) ganz große Musik.

Reini mit Banjo und Harp

Und so wie ich mich am Banjo versuche, so versuche ich auch der Harmonika die richtigen Töne zu entlocken. Und manchmal halt auch gleichzeitig.

Der Mundharmonika möchte ich gerne ein weiteres Schwerpunktthema in meinem Blog widmen. Und da es zur Bluesharp schon so viel im Internet gibt, werde ich mich mehr auf die „Folk Harmonica“ konzentrieren, und zwar auf die diatonische (da ich die chromatische nicht spielen kann (☹)). Aber die Abgrenzung ist natürlich willkürlich und einiges, über das ich schreiben möchte, ist sicher auch dem Blues zuzurechnen oder nicht unbedingt auf einer diatonischen Harp gespielt.
Entsprechend der Blues Harp könnte man natürlich auch von der Folk Harp sprechen. Aber der Begriff ist so sehr von dem Harfeninstrument besetzt, dass ich lieber „Folk Harmonica“ verwende.

Auch hier gibt es zur Einstimmung auf Youtube eine tolle Produktion von BBC Four aus dem Jahre 2008, die die Geschichte des Instruments von den Anfängen bis zu den modernen Spielern erzählt: „Tin Sandwich, Anyone? A History of the Harmonica“.

Und als Zugabe hier eine sehr sehenswerte Sendung des irischen TV-Senders TG4 vom 27.3.2007 in Gälisch (mit englischen Untertiteln): „Ceird an Cheoil – Mouth organ – The trade of music instrument making“ (skip 11:55 – 15:55 (Werbung!)).
Und da tauchen schon einige brilliante Spieler auf, denen ich sicher noch eigene Artikel widmen werde: Brendan Power, Pip Murphy, Mick Kinsella, Rick Epping.

Ihr dürft gespannt sein!