Oh My Darling – 4 Mädels aus Kanada begeistern

Zum Themenschwerpunkt Clawhammer Banjo diesmal mit Oh My Darling ein junges Quartett aus Kanada, das gerade wieder auf Europatour ist und auch eine Reihe von Auftritten in Deutschland absolviert.

Die vier Damen aus Winnipeg mischen Oldtime, Bluegrass, Roots,  Americana, Französisches, u.a. mit eigenen Zugaben zu einem aufregenden Sound.

Ihr Gesang ist wie flüssiger Honig und das Banjo-Picking klingt nach sonnigen Nachmittagen in den Appalachen. (Winnipeg Free Press)

Mit dabei ist Allison de Groot mit tollem Clawhammer-Banjospiel. In Reisen nach West-Virginia und andere Gegenden der USA hat sie Musik und Kultur der Appalachians studiert.

Noch mehr zu hören gibt es hier auf ihrere Website und hier auf ihrem Youtube-Kanal.

Oh Mann, diese Frauen …

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David Holt – Volksmusikant und Geschichtenerzähler

Zu hören ist hier David Holt mit dem Stück „Pretty Polly“. Und es ist ein schönes Beispiel für die g modal (auch „sawmill“ oder „mountain minor“) genannte Stimmung des Banjos, die etwas eigentümlich/gespenstisch klingt (Wayne Erbsen nennt es einen „wonderfully eerie and spooky effect“)  und charakteristisch für viele Mountainsongs ist (Shady Grove, East Virginia, Cluck Old Hen, Little Maggie, etc).

Von David Holt habe ich wahrscheinlich zuerst auf Banjo Hangoutdem Forum für Banjospieler, gehört. Ich war sofort begeistert von seinem druckvollen Spiel und die Art, wie er das Banjo als Begleitinstrument für Songs einsetzt.
Ich hatte dann auch eine Lehr-DVD erworben. Dort stellt er am Anfang ein Banjo vor, dass Deering nach seinen Wünschen gebaut hat. Begeistert von dem vollen, warmen, reichen Klang des Banjos, das einen Hartford Grenadillo Wood Tone Ring und einen 4” deep 3-ply Violin Grade Maple Open-back Rim besitzt, habe ich auf der Herstellerseite geforscht. Und tatsächlich gibt es ein Deering David Holt Modell. Allerdings dachte ich bei dem Preis von $11,548.00 zunächst, es sei eine Zehnerstelle verrutscht – leider war das aber nicht der Fall. Ein Großteil geht hier wohl für Einlegearbeiten und Verzierungen aus Sterling Silver,etc drauf und hat mit dem tollen Klang wenig zu tun.

Doc Watson & David Holt - Grammies für LegacySeit vielen Jahren schon tritt David Holt auch zusammen mit Doc Watson auf und da kann es kaum noch schöner werden. Deshalb gibt es nachfolgend gleich drei Beispiele von Ihnen. 2002 erhielten die Beiden zwei Grammy Awards in der Kategorie „Best Traditional Folk Recording“ für Legacy, eine Kollektion aus drei CDs mit Songs und Stories zur Lebensgeschichte von Doc Watson.

David Holt wurde am 15.10, 1946 in Texas geboren und ist in Kalifornien aufgewachsen. Ende der 60er Jahre zieht es ihn in die Appalachian Mountains, um versierter Banjospieler zu werden und Musik und Kultur dort aus erster Hand kennenzulernen. Und er findet und sammelt Musik und Geschichten überall. Seit 1973 lebt er mit seiner Frau nahe Ashville, North Carolina. Er hat zahlreiche Fernseh- und Radioshows moderiert (aktuell die Reihe Folkways auf UNC-TV), ein College-„Appalachian Music Program“ gegründet und geleitet und wurde dreimal von den Lesern des Frets magazine gewählt zum „best old-time banjoist“. Und er sagt über sich „I play banjo, guitar, slide guitar, uke, bantar, hammered dulcimer, lap dulcimer, autoharp, bones, spoons, harmonica, jaw harp, mouth bow, washboard and paper bag.“
Im folgenden Video „David Holt: The stories and song of Appalachia“ auf http://www.ted.com spielt David Holt Banjo, zeigt Fotografien und teilt alte Weisheiten aus den Appalachen. Er stellt auch einige ungewöhnliche Instrumente vor, wie den „Mouthbow“ – und am Ende ein faszinierendes elektrisches Schlagzeug, das er „Thunderwear“ nennt. In einen Overall hat er 12 Drum Trigger eingearbeitet – Hambone der besonderen Art!

Zum Abschluss noch als ein faszinierendes Beispiel aus seiner Folkways-Serie auf UNC-TV die Episode „Music of Surry County“. Gezeigt wird, wie eine Gruppe von talentierten Fiddle- und Banjospielern aus einer kleinen Gemeinde in den Appalachen einen weltweiten Einfluss auf die Oldtime Musik hatte („Round Peak Style“).

Geschichte des 5-String Banjo

Echoes of America: A History of the 5-String Banjo ist ein weiterer sehenswerter Film über die Geschichte des Banjos. Der prämierte Streifen lief in Channel 4 bei BBC und 2003 war es für mich noch ein kleines Abenteuer an den Film zu kommen:

Gesendet: Dienstag, 16. Dezember 2003 11:19
An: grasshopperfilms.info@btopenworld.com
Betreff: Order for Echoes of America
Hi,
herewith I order ‚Echoes of America‘ in VHS/PAL format.
I use XE.com’s XEtrade on-line foreign exchange system to send you the cheque of GBP 18.50 payable to Grasshopper Films. This might take ca. 2 weeks. The cheque will be payed by „Custom House Currency Exchange“. The Deal Reference is W00031927.
After the cheque arrival please send the film to the following mail address:
xxx
Thank you very much to making copies of ‚Echoes of America‘ available.
Regards,
Reinhold

Inzwischen ist der Film in 6 Teile zerlegt bei Youtube zu sehen (aber vermutlich micht mehr als Video/DVD zu bekommen):

  1. Echoes of America: A History of the 5-String Banjo (Part 1) (7:48 Clarke Buehling mit den Skirtlifters)
  2. Echoes of America: A History of the 5-String Banjo (Part 2)
  3. Echoes of America: A History of the 5-String Banjo (Part 3) (7:40 Earl Scruggs)
  4. Echoes of America: A History of the 5-String Banjo (Part 4)
  5. Echoes of America: A History of the 5-String Banjo (Part 5)
  6. Echoes of America: A History of the 5-String Banjo (Part 6)

In Teil 1 ist ab 7:48 Clarke Buehling mit den Skirtlifters zu bewundern. Clarke hatte im April  2009 einen Solo-Auftritt in der Krone in Hattersheim und führte einen Banjo-/Fiddle-Workshop durch, der großen Spaß gemacht hatte. Wäre sicher toll, ihn mal mit der großen Besetzung zu erleben!
In Teil 3 ist ab 7:40 Earl Scruggs zu sehen. Earl (geboren am 6. Januar 1924 in North Carolina) starb vergangenen Mittwoch in Nashville. Er hat das 3-Fingerpicking mit den verschiedenen Rolls nicht erfunden, aber perfektioniert und ist zu einer Ikone der Bluegrass Music geworden.
In Teil 6 sind ab Start Béla Fleck and the Flecktones zu hören. Neben Bela (14 Grammies,30 Nominierungen; the premier banjo player in the world), ist Howard Levy an der Mundharmonika zu hören (the world’s most advanced diatonic harmonica player), Victor Wooten spielt großartig Bass (dreimal in Folge Bassist of the Year im Bass Player Magazine) und sein Bruder Roy „Futureman“ Wooten spielt Percussion auf einem von ihm selbst entwickelten Instrument, einer SynthAxe.

Hier weitere Details zum Film:
Echoes of America (1991): A History of the 5-String Banjo is a one hour documentary which deals with the history and music of the five string banjo and its transition from African slave banjo to classical instrument in the1800’s, It’s decline in the early 1900’s to its re- emergence (and re-invention) in the 1920’s and 1930’s and it’s continuing evolution to the instrument we know and love today. “Echoes of America“ is an absolute must for all 5-string banjo players!

Featuring rare footage & candid interviews with some of the greatest banjo players of all time. Including:
• Vintage performances from Uncle Dave Macon, Earl Scruggs & Don Reno.
• Current (at the time of shooting this film) footage of both Earl & Don’s mentor, Snuffy Jenkins.
• A great „Twin“ banjo rendition of „Devil’s Dream“ from Bill Keith & Tony Trischka.
• The now legendary „banjo acrobatics“ of Leroy Troy on „Grandfathers Clock“.
• The late John Hartford playing a beautiful solo version of his song „Gum tree canoe“ in a deserted „Grand Ole Opry“ on a Deering „Hartford“ banjo.
• Interview’s and performances from Bill Monroe, Pete Seeger, Bela Fleck, Eddie Adcock, Tony Ellis, Clarke Bluething, and many other world class players.
„Echoes of America“ is a Matthew Whiteman film and is available on DVD only.

Und in Erinnerung an den verstorbenen Earl Scruggs hier Ausschnitte aus dem Film „The Complete Earl Scruggs Story“:

Clawhammer Banjo

Uncle Dave Macon

Ich muss gestehen: das Banjo – und insbesondere das Clawhammer Banjo (also gespielt in der alten Technik im Gegensatz zum moderneren Finger-Picking) – hat es mir seit langem angetan. Wahrscheinlich ist es die Kombination aus rhythmischen und melodiösen Möglichkeiten des Instruments und der Spielweise, die mich so fasziniert. Sound-prägend ist die 5. (kurze) „Drone“-Saite, die in der Regel ungegriffen vom Daumen bedient wird. Der rhythmische Drive kommt einerseits durch den wiederholenden Ton der Saite selbst. Fast noch entscheidender aber ist, dass der Daumen sie in der Abwärtsbewegung der Hand als Angelpunkt nutzt und in der Aufwärtsbewegung dann anreißt. Schwer in Worte zu fassen. „Old Woodchuck“ spricht vom Rocket Science Banjo (Kraft und Gegenkraft;Rückstoß).

Für die mit einer Abwärtsbewegung der Hand gespielte „Downstroking“-Technik wurden von den Musikern viele verschiedene Bezeichnungen benutzt: „frailing“,“flailing“, „knockdown“, „banging“, „rapping“, „frapping“, „beating“, „clubbing“, „thumping“, „knocking“, „racking“, „rocking“, „whomping“,“thumb cockin“, „whammin“, „flammin“, „gun-hammer“. „Clawhammer“ ist aber heute neben „Frailing“ der meistbenutzte Begriff.

Why pick when you can hammer it?

Das Thema „Clawhammer Banjo“ möchte ich gerne in kommenden Blogbeiträgen weiter ausführen. In den letzten Jahren zeigt sich (natürlich auf bescheidenem Niveau) ein zunehmendes Interesse am Clawhammer Banjo und American Roots Musik insgesamt. Ich werde versuchen, einige aus meiner Sicht besonders interessante Beispiele für die Spannweite des Clawhammer Banjo Spiels zu zeigen.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert feierte das 5-seitige Banjo seinen Siegeszug in Amerika durch den Einsatz in Minstrel und Riverboat Shows und im frühen Vaudeville Theater, sowie dem Entstehen von unzähligen Banjo Clubs und Orchestern. Diese Verschmelzung von afrikanischen und europäischen (vorwiegend anglo-keltischen) Musikkulturen war die Grundlage für die entstehende Populärmusik in Amerika.
Um 1900 soll es alleine in New York 10.000 Banjo Spieler gegeben haben. Heute kaum vorstellbar: Musiker mit einem Banjo mit Naturfell ohne Resonator und Verstärker begeisterten das Publikum in Hallen mit bis zu 500 Zuhörern.

Bei PBS, einer von den amerikanischen öffentlichen TV Sendern getragenen  nonprofit corporation, ist bis November noch eine sehr gelungene 80 minütige Einführung in die Geschichte des Banjos zu sehen. Steve Martin, selbst ein begeisterter Bluegrass-Banjo Spieler, führt dabei durch 300 Jahre Amerikanische Geschichte und Kultur.

PBS Arts from the Blue Ridge Mountains: Give Me the Banjo


Narrated by Steve Martin, „Give Me the Banjo“ is a musical odyssey through 300 years of American history and culture by way of the banjo. Guided by modern banjo masters such as Earl Scruggs, Pete Seeger, Bela Fleck, Taj Mahal, Mike Seeger, and Abigail Washburn, „Give Me The Banjo“ explores American music from minstrelsy, ragtime and early jazz to blues, folk, and bluegrass.
Duration: (1:21:10) ; Episode Expires: Mon 05 Nov 2012

Wie im Film erwähnt schreibt Mark Twain über das Banjo (San Francisco Dramatic Chronicle, 23 June 1865):

When you want genuine music – music that will come right home to you like a bad quarter, suffuse your system like strychnine whiskey, go right through you like Brandreth’s pills, ramify your whole constitution like the measles, and break out on your hide like the pinfeather pimples on a picked goose – when you want all this, just smash your piano, and invoke the glory-beaming banjo!

Und wer noch nach Motivation sucht, es selber mal mit dem Banjo zu probieren, dem hilft vielleicht folgendes Zitat aus einem Gibson Katalog von 1927. Da wird versprochen:

Ability to play the banjo soon places one in a position to pick and choose among scores of social invitations. Everywhere, the banjoist is assured of a hearty welcome.