Clawhammer Banjo

Uncle Dave Macon

Ich muss gestehen: das Banjo – und insbesondere das Clawhammer Banjo (also gespielt in der alten Technik im Gegensatz zum moderneren Finger-Picking) – hat es mir seit langem angetan. Wahrscheinlich ist es die Kombination aus rhythmischen und melodiösen Möglichkeiten des Instruments und der Spielweise, die mich so fasziniert. Sound-prägend ist die 5. (kurze) „Drone“-Saite, die in der Regel ungegriffen vom Daumen bedient wird. Der rhythmische Drive kommt einerseits durch den wiederholenden Ton der Saite selbst. Fast noch entscheidender aber ist, dass der Daumen sie in der Abwärtsbewegung der Hand als Angelpunkt nutzt und in der Aufwärtsbewegung dann anreißt. Schwer in Worte zu fassen. „Old Woodchuck“ spricht vom Rocket Science Banjo (Kraft und Gegenkraft;Rückstoß).

Für die mit einer Abwärtsbewegung der Hand gespielte „Downstroking“-Technik wurden von den Musikern viele verschiedene Bezeichnungen benutzt: „frailing“,“flailing“, „knockdown“, „banging“, „rapping“, „frapping“, „beating“, „clubbing“, „thumping“, „knocking“, „racking“, „rocking“, „whomping“,“thumb cockin“, „whammin“, „flammin“, „gun-hammer“. „Clawhammer“ ist aber heute neben „Frailing“ der meistbenutzte Begriff.

Why pick when you can hammer it?

Das Thema „Clawhammer Banjo“ möchte ich gerne in kommenden Blogbeiträgen weiter ausführen. In den letzten Jahren zeigt sich (natürlich auf bescheidenem Niveau) ein zunehmendes Interesse am Clawhammer Banjo und American Roots Musik insgesamt. Ich werde versuchen, einige aus meiner Sicht besonders interessante Beispiele für die Spannweite des Clawhammer Banjo Spiels zu zeigen.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert feierte das 5-seitige Banjo seinen Siegeszug in Amerika durch den Einsatz in Minstrel und Riverboat Shows und im frühen Vaudeville Theater, sowie dem Entstehen von unzähligen Banjo Clubs und Orchestern. Diese Verschmelzung von afrikanischen und europäischen (vorwiegend anglo-keltischen) Musikkulturen war die Grundlage für die entstehende Populärmusik in Amerika.
Um 1900 soll es alleine in New York 10.000 Banjo Spieler gegeben haben. Heute kaum vorstellbar: Musiker mit einem Banjo mit Naturfell ohne Resonator und Verstärker begeisterten das Publikum in Hallen mit bis zu 500 Zuhörern.

Bei PBS, einer von den amerikanischen öffentlichen TV Sendern getragenen  nonprofit corporation, ist bis November noch eine sehr gelungene 80 minütige Einführung in die Geschichte des Banjos zu sehen. Steve Martin, selbst ein begeisterter Bluegrass-Banjo Spieler, führt dabei durch 300 Jahre Amerikanische Geschichte und Kultur.

PBS Arts from the Blue Ridge Mountains: Give Me the Banjo


Narrated by Steve Martin, „Give Me the Banjo“ is a musical odyssey through 300 years of American history and culture by way of the banjo. Guided by modern banjo masters such as Earl Scruggs, Pete Seeger, Bela Fleck, Taj Mahal, Mike Seeger, and Abigail Washburn, „Give Me The Banjo“ explores American music from minstrelsy, ragtime and early jazz to blues, folk, and bluegrass.
Duration: (1:21:10) ; Episode Expires: Mon 05 Nov 2012

Wie im Film erwähnt schreibt Mark Twain über das Banjo (San Francisco Dramatic Chronicle, 23 June 1865):

When you want genuine music – music that will come right home to you like a bad quarter, suffuse your system like strychnine whiskey, go right through you like Brandreth’s pills, ramify your whole constitution like the measles, and break out on your hide like the pinfeather pimples on a picked goose – when you want all this, just smash your piano, and invoke the glory-beaming banjo!

Und wer noch nach Motivation sucht, es selber mal mit dem Banjo zu probieren, dem hilft vielleicht folgendes Zitat aus einem Gibson Katalog von 1927. Da wird versprochen:

Ability to play the banjo soon places one in a position to pick and choose among scores of social invitations. Everywhere, the banjoist is assured of a hearty welcome.

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